Im folgenden sind die Störungsbilder aufgeführt, die in der Praxis psychotherapeutisch behandelt werden können:
Depressive Störungenmehr ... |
|
Angststörungenmehr ... |
|
Zwangsstörungenmehr ... |
|
Ess-Störungenmehr ... |
|
Psychosomatische Störungenmehr ... |
|
Belastungsstörungenmehr ... |
|
Posttraumatische Belastungsstörungenmehr ... |
|
Beziehungsprobleme aller Artmehr ... |
|
Besondere Persönlichkeitsstilemehr ... |
|
Manische und bipolare Störungenmehr ... |
|
Süchte aller Artmehr ... |
|
Psychotische Störungenmehr ... |
|
||||||||||||
|
|
|||||||||||||
Depressive StörungenDepressive Störungen sind mit den Angststörungen die häufigsten psychischen Störungen in der westlichen Welt mit steigender Tendenz. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch einmal im Leben eine depressive Episode erlebt liegt bei ca. 17%. Innerhalb eines Jahres haben ca. 11 % der Bevölkerung eine depressive Symptomatik. Die folgenden drei Symptome sind für die Depression typisch:
Weitere Symptome einer depressiven Störung sind:
Depressive Störungen können unterschiedlich schwer sein und verschiedene Verläufe haben:
Behandlung: Leichte und mittelschwere depressive Störungen können ausschließlich psychotherapeutisch behandelt werden. Gerade in letzter Zeit wurden plausible Zweifel an den medikamentösen Behandlungen bei diesen Schweregraden geäußert. Schwere Depressionen können von Medikamenten profitieren, so dass hier weiterhin eine Medikamentengabe in der akuten Phase sinnvoll ist. Psychotherapie ist nachweislich wirksam und kann bei entsprechender Mitarbeit der Betroffenen helfen, die Störung zu überwinden oder zumindest positiv zu beeinflussen. Insgesamt müssen nach neueren Erkenntnissen längerfristige psychotherapeutische Behandlungen über gut zwei Jahre durchgeführt werden, um einen langfristigen Erfolg zu erreichen.
AngststörungenAngststörungen gehören zusammen mit den depressiven Störungen zu den häufigsten psychischen Störungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch einmal im Leben eine Angststörung entwickelt liegt bei ca. 16,5 %. Innerhalb eines Jahres haben ca. 10 % der Bevölkerung eine Angstsymptomatik. Wie das Wort "Angststörung" schon aufzeigt steht hier das Gefühl Angst im Erleben im Vordergrund. Die Befürchtungen der Betroffenen beziehen sich in der Regel auf einen oder mehrere der folgenden Bereiche:
Ängste zeigen uns Menschen an, dass wir eine Situation besser vermeiden sollten. Eine Zwickmühle dabei ist jedoch, dass wir bestimmte Situationen, in denen die Ängste auftreten, nicht wirklich 100% vermeiden können. Zudem entwickeln die Betroffenen sehr schnell eine "Angst vor der Angst" mit zunehmenden Vermeidungsverhalten. Dieses Vermeidungsverhalten hilft zwar kurzfristig, die Ängste zu vermindern, langfristig jedoch bleiben diese bestehen und breiten sich häufig auf andere Situationen aus, so dass die Störung immer stärker wird. Ängste gehen mit einem deutlichen Erregungsanstieg einher, der an verschiedenen Symptomen erkennbar ist:
Die Angststörungen werden nach den Situationen, in denen die Ängste typischerweise auftreten, eingeteilt:
Behandlung: Angststörungen sind sehr gut ausschließlich mit Psychotherapie zu behandeln. Medikamente sind langfristig kontraindiziert, da sie als Angstvermeidundungsstrategie wirken und die Störung verstärken. Es ist aber durchaus sinnvoll Medikamente bei stark ausgeprägten Ängsten vorübergehend einzunehmen, um zum Beispiel die Therapiefähigkeit überhaupt erst herzustellen, einen hartnäckigen Teufelskreis zu durchbrechen, Wartezeiten auf einen adäquaten Therapieplatz und akute Krisen zu überbrücken. Angststörungen müssen in der Regel immer in der Veränderungsphase mit Konfrontationen behandelt werden, um einen langfristigen Erfolg zu erreichen.
ZwangsstörungenZwangsstörungen werden zwar als eigenständiger Störungsbereich unterschieden, sie gehören aber letztlich ebenfalls zu den Angststörungen, da das Gefühl Angst bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Zwängen die entscheidende Rolle spielt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch einmal im Leben eine Zwangsstörung erlebt liegt bei ca. 2 %. Innerhalb eines Jahres haben ca. 1,5 % der Bevölkerung Zwangssymptome. Bei Zwängen erlebt sich der Betroffene zu einer Handlung (Zwangshandlungen) oder zum Denken bestimmter Gedanken (Zwangsgedanken) gezwungen und erlebt zunehmend Kontrolleverlust. Zwänge können sich als lästige Begleiter zeigen, aber auch das Leben massiv einschränken. Manche Betroffenen haben die meiste Zeit des Tages mit Zwangsritualen zu tun und machen kaum noch etwas anderes.
Bei beiden Phänomenen wird versucht, sich dagegen zu wehren, den Gedanken nicht zu denken und die Handlung nicht auszuführen. Dies klingt natürlich beim ersten Blick vernünftig - jeder würde das so versuchen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass genau dieses Verhalten die Störung aufrecht erhält und verschlimmert. Der Grund dafür ist wie bei den Angststörungen allgemein, dass versucht wird etwas zu kontrollieren, was nicht kontrollierbar ist: Einerseits Kontrolle über Gedanken zu bekommen was nicht funktioniert - Denken Sie jetzt mal nicht an einen rosaroten Elefanten, ... und schon denken Sie dran. Gedanken sind direkt nicht kontrollierbar! Anderseits wird versucht, sich gegen die inneren Handlungsimpulse und die damit einhergehenden unangenehmen Gefühle zu wehren, was ebenfalls nicht gelingt, da innere Impulse und Gefühle auch nicht direkt kontrollierbar sind! Ebenso wird vermieden, den zugrunde liegenden Befürchtungen auf den Grund zu gehen und sich damit zu konfrontieren. Zwänge sind deshalb letztlich Vermeidungsstrategien, und Vermeidung ist leider Futter für die Angst. In der Therapie müssen also die ungünstigen Umgangsweisen und die zugrunde liegenden Befürchtungen bearbeitet werden, um die Störung aufzulösen. Behandlung: Psychotherapie ausschließlich angewendet hat sich bei entsprechender Mitarbeit der Betroffenen als wirksam erwiesen. Wie bei der Angstbehandlung müssen Konfrontationen in der Veränderungsphase durchgeführt werden. Medikamente haben sich auch wirksam gezeigt. Die Dosierung ist in der Regel höher als bei depressiven Störungen und die Wirkung setzt langsamer ein. Das Medikament auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Um die Störung langfristig zu überwinden, muss das Medikament jedoch wieder abgesetzt werden, da es wie bei den Angststörungen auch als Vermeidungsstrategie wirken kann und damit die Störung aufrecht erhält.
EssstörungenBei den Essstörungen stehen Probleme mit dem Essen im Vordergrund. Allen Störungen gemeinsam ist das häufige Denken ans Essen und an Themen rund um das Essen. Häufig verbieten sich die Betroffenen auch bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Süßigkeiten), was dann Heißhunger auf diese Speisen auslöst. Auch Fastenperioden und viele Diäten prägen das Bild. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch im Leben eine Essstörung entwickelt liegt bei ca. 17%. Innerhalb eines Jahres haben ca. 11 % der Bevölkerung eine Essstörung. Überwiegend sind Frauen mit Bulimie und Anorexie betroffen. Starkes Übergewicht ist bei beiden Geschlechtern verbreitet mit zunehmender Tendenz. Auch hier spielen Ängste eine entscheidende Rolle: Die häufigste Angst ist dick zu werden und dann unattraktiv für andere Menschen zu werden. Diesem Muster liegt in der Regel eine Selbstwertproblematik zugrunde.
Essstörungen sind nicht nur alleine eine psychische Störung wovon lange ausgegangen wurde. Emotionale Probleme und Stress sind meistens der Einsteig in eine Essproblematik. Die Reaktionen des Körpers auf Diäten und verbotenen Nahrungsmittel sind aber physiologisch. Der Körper registriert einen Mangel und startet sein Steinzeitüberlebensprogramm: Er regelt seinen Energieumsatz herunter und kommt mit immer weniger Energie aus; die überschüssige Energie wird in Fett als Reserve gebunkert; er gibt den inneren Impuls "Iß' soviel Du kannst und möglichst hochkalorische Nahrungsmittel, weil bald wieder Mangel herrscht!". Dieses Programm dient unserem Überleben in einem Umfeld, in dem Nahrungsmangel herrscht (Steinzeitsituation). Die mangelnde Bewegung in unserer Kultur verstärkt das Muster zusätzlich. Dieses einst sinnvolle Programm ist heute in der Überflussgesellschaft nicht mehr adäquat und führt bei vielen Menschen zu Problemen, auch zunehmend bei unseren Kindern. Es kann nicht einfach gestoppt werden. Deshalb müssen wir einen besseren Umgang mit diesem Programm entwickeln, um aus diesen Teufelskreisen herauszukommen. Behandlung: Moderne Psychotherapie ist bei Essstörungen bei entsprechender Mitarbeit der Betroffenen wirksam und berücksichtigt angemessen die emotionalen Probleme und die körperlichen Mechanismen. Medikamente, die die unangenehmen emotionalen Zustände günstig beeinflussen können phasenweise hilfreich sein. Erste Medikamente, die die Gewichtsregulation günstig beeinflussen, sind auf dem Markt, haben aber nur eingeschränkte Wirkungen, dafür aber Nebenwirkungen.
Psychosomatische StörungenPsychosomatische Störungen haben vielfältige Symptome und sind in leichter Form weit verbreitet. Von psychosomatischen Störungen sprechen die Ärzte, wenn körperliche Symptome vorliegen, die nicht durch eine körperliche Krankheit hervorgerufen werden. Ältere Ärzte sagen den Betroffenen, dass sie "nichts haben!" oder dass sie sich "etwas einbilden!". Jüngere Ärzte sagen "Sie haben nichts Körperliches!". Beides stimmt so nicht, denn die körperlichen Symptome sind keine Einbildung, sondern vorhanden. Die Ursache ist aber keine körperliche Krankheit, sondern Folgeerscheinungen von lang anhaltendem (chronischen) Stress. Stresshormone verändern nämlich langfristig körperliche Regelkreise und schädigen den Körper auf Dauer. In der Allgemeinbevölkerung wurden ca. 10% Betroffene mit einer manifesten psychosomatischen Störung gefunden. Die folgenden (Stress-)Symptome können auftreten:
Wenn der Stress lange anhält können auch körperliche Erkrankungen entstehen:
Behandlung: Moderne Psychotherapie hilft bei entsprechender Mitarbeit der Betroffenen. Meistens ist hier eine Umstellung der Lebensweise notwendig und die Bewältigung der Symptome ist langwierig, da es im Körper zu Umschaltprozessen gekommen ist, die wieder rückgängig gemacht werden müssen. Medikamente, die die körperlichen Symptome beeinflussen können eingesetzt werden, ebenfalls können Behandlungen aus der Naturheilkunde hilfreich sein. Medikamente, die auf die psychischen Zustände günstig einwirken, können phasenweise zu Anwendung kommen. Langfristig sollte aber angestrebt werden, auf alle nicht notwendigen Medikamente zu verzichten und durch andere Maßnahmen die positiven Veränderung beizubehalten. Die Hypochondrische Störung wird zu den psychosomatischen Störungen gezählt, sie ist aber eine typische Angststörung. Die Befürchtungen beziehen sich auf mögliche schwere Erkrankungen, die der Betroffene haben könnte. Hier werden normale körperliche Phänomene und Stressphänomene als Zeichen einer schweren Erkrankung fehlgedeutet und als Bedrohung wahrgenommen. Durch Aufmerksamkeitsprozesse werden die Symptome immer besser und öfter wahrgenommen und dadurch ein Teufelskreis etabliert, der sich immer mehr verschlimmert. Als nachvollziehbarer Lösungsversuch gehen die Betroffenen dann häufig zum Arzt, der viele Untersuchungen durchführt, keine körperliche Erkrankung feststellen kann, aber unter Umständen Medikamente verschreibt. Die Betroffenen beobachten sich immer mehr selbst, was die Störung aufrecht erhält und verschlimmert, weil immer wieder Phänomene wahrgenommen werden. Auch hier versuchen die Betroffenen etwas unkontrollierbares zu kontrollieren, nämlich auf keine Fall eine beginnende Krankheit zu übersehen und schwer krank zu werden. Dies ist aber nicht mit Sicherheit möglich, so dass immer ein Restrisiko für alle Menschen bleibt. Hier müssen die Betroffenen ihre Einstellung ändern, wollen Sie die Ängste verlieren. Psychotherapie hilft, bei entsprechender Mitarbeit diese Teufelskreise zu durchbrechen und die Störung langfristig zu überwinden. Medikamente sollten wie bei allen Angststörungen höchstens vorübergehend eingenommen werden (Vermeidungsstrategie).
BelastungsstörungenStarke emotionale Belastungen gehörten schon immer zum Leben dazu und treten auch heute bei allem Fortschritt immer wieder auf. Heute melden sich immer mehr Menschen beim Psychotherapeuten, um mit bestimmten akuten psychosozialen Belastungen besser umzugehen. In der Regel benötigen die Betroffenen keine Psychotherapie, da die Belastung nach einiger Zeit (Tage bis Wochen) von selbst wieder abnimmt und ein Anpassungsprozess an die veränderten Umstände abläuft. Wenn dieser Anpassungsprozess jedoch langfristig nicht effektiv die Belastungen reduziert, sprechen die Ärzte von einer Anpassungsstörung. dabei stehen Ängste und depressive Stimmungen im Vordergrund. Hier ist dann eine Psychotherapie hilfreich, in dem untersucht wird, warum die Anpassung nicht gelingt. Häufig spielen dabei emotionale Probleme und einige ungünstige Überzeugungen eine Rolle, die in der Psychotherapie bei entsprechender Mitarbeit gelöst werden können. Damit lösen die Betroffenen nicht nur das aktuelle Problem, sondern sind auch für weitere Belastungen, die mit Sicherheit bei jedem Menschen auftauchen werden, in der Zukunft gerüstet.
Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)Wenn Menschen Ausnahmesituationen erleben, wie der plötzliche Verlust eines nahestehenden Menschen, Gewalterfahrungen aller Art, Naturkatastrophen oder ein schwerer Unfall, sind sie meistens zunächst stark emotional belastet. Diese Belastung nimmt mit der Zeit durch Anpassungsprozesse wieder ab. Abhängig von der Schwere der erlebten Situation entwickeln ca. 5 -18 % auch langfristig Belastungssymptome, die auch nach 6 Monaten nicht von alleine weggehen:
Die Wahrscheinlichkeit für eine Frau einmal im Leben eine PTBS zu erleben liegt bei 10 bis 18 %, bei Männern liegt sie bei 5 bis 10 %. Innerhalb eines Jahres haben ca. 5 % der Bevölkerung, vorwiegend Frauen, eine PTBS. Die traumatischen Erfahrungen können sich auf eine Einzelsituation beziehen (Unfall, Vergewaltigung, Überfall) oder aber auch auf eine Gewalterfahrung, die sich über Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre hinzog (Sexueller Missbrauch, gewalttätige Familienkonstellation, Entführungen). Wenn die Traumatisierungen in der Kindheiten erfolgten, kann es sein, das Erinnerungen an diese Situationen verdrängt worden sind und dadurch nicht mehr erinnerlich. Die Folgen können sich aber in verschiedenen psychosomatischen Symptomen und psychischen Störungen zeigen. Ängste stehen häufig im Vordergrund, deshalb wird eine PTBS auch als Angststörung einkategorisiert. Behandlung: Moderne Psychotherapie ist bei entsprechender Mitarbeit der Betroffenen wirksam und hilft, die Störung zu überwinden. In der Veränderungsphase müssen Konfrontationen durchgeführt werden, um die Ängste aufzulösen. Die Therapiedauer kann abhängig von der Art, der Schwere und der Dauer des Traumas einige bis viele Monate betragen. Medikamente können phasenweise hilfreich sein, um eine erste Entlastung zu bewirken. Langfristig müssen diese aber auch wieder abgesetzt werden.
Beziehungsprobleme aller ArtMenschen sind soziale Wesen und leben deshalb in Beziehung zu anderen Menschen. Hier kommt es häufig zu Problemen, die durch emotionale Probleme verursacht werden, aber auch aufgrund Unwissen über das Phänomen "Kommunikation" und dem damit verbundenen ungünstigen Umgang damit. Viele Menschen glauben, dass sie Beziehungen einseitig kontrollieren und andere Menschen sicher manipulieren können. Menschen glauben auch, dass der "Sprecher" über den Inhalt von Kommunikation entscheidet und es wird versucht, durch besseres Sprechen die Kommunikation zu verbessern. Beides ist ein Irrglaube und führt häufig zu Schwierigkeiten im Kontakt: Beziehungen können nicht einseitig kontrolliert werden und ausschließlich der "Hörer" bestimmt den Inhalt der Kommunikation. Natürlich muss sich der "Sprecher" klar und deutlich ausdrücken, sonst hat der "Hörer" keine Chance ihn zu verstehen. Moderne Psychotherapie weiß um diese Phänomene und hilft bei entsprechender Mitarbeit die Kommunikation in der Partnerschaft, der Familie, in Freundschaften und am Arbeitsplatz zu verbessern. Hierzu wird ein spezielles Kommunikationstraining durchgeführt. Dieses Training verringert Kommunikationsprobleme und kann auch psychische Störungen und emotionale Probleme günstig beeinflussen.
Besondere PersönlichkeitsstileTraditionell sprechen die Psychiater bei bestimmten Denk- und Verhaltensweisen von "Persönlichkeitsstörungen". Dieses Wort ist leicht irreführend, kann man davon logisch ableiten, dass die "Persönlichkeit" also der ganze Mensch durch und durch gestört, verrückt, daneben und so weiter, und letztlich umfassend krank ist. Zunächst muss auch erst einmal definiert werden, was denn eine Persönlichkeit ist. Orientierend kann man sagen, dass eine Persönlichkeit die Summe aus verschiedenen Denk- und Handlungsweisen ist, die ein Menschen überwiegend zeigt und ihn ausmachen. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass Persönlichkeitsmerkmale kontinuierlich verteilt sind, dass heißt, dass das eine Merkmal mehr oder weniger ausgeprägt sein kann. Es ist nicht so, dass ein Mensch das Merkmal hat oder nicht - also krank oder gesund, normal oder abnormal ist. Jedes Merkmal ist somit normal, weil es eben bei Menschen zu finden ist. Von einem "Persönlichkeitsstil" kann man sprechen, wenn bestimmte Merkmale - Denk- und Verhaltensweisen - deutlich mehr als beim Durchschnittsmenschen vorhanden ist. Zudem muss noch kommen, dass der Betroffene diese Denk- und Verhaltensweisen relativ unflexibel einsetzt und diese dadurch oft und in verschiedenen Situationen zeigt. Hier folgt nun die Beschreibung von definierten Persönlichkeitsstilen mit ihren typischen Denk- und Verhaltensweisen, wobei nicht alle Merkmale vorhanden sein müssen:
Es gibt oft Mischtypen mit unterschiedlich ausgeprägten Merkmalen. Bei einigen Stilen kommt es sehr schnell zu psychischem Leid, bei anderen leiden die anderen in der Umgebung, was der Betroffene nicht oder nur eingeschränkt versteht. Wenn der Persönlichkeitsstil nicht gut in die soziale Umgebung passt, kann es zu sozialen und emotionalen Schwierigkeiten kommen mit der nachfolgenden Entwicklung einer psychischen Störung. Behandlung: So genannte Persönlichkeitsstörungen galten lange Zeit als schwer oder nicht behandelbar. Dies ist aber ein Irrglaube gewesen. Die damaligen Behandlungsmethoden waren nicht geeignet, hier etwas durchgreifendes zu verbessern. Ein Persönlichkeitsstil kann verändert werden, ist aber wie fast jede Veränderung schwer und kann langwierig sein. Häufig kostet diese Veränderung aber einen höheren Preis als wenn "nur" eine umschriebene psychische Störung vorliegt. Manche Stile sind mit den heute bewährten Methoden gut behandelbar, für andere liegen nun seit einiger Zeit spezielle Behandlungsmethoden vor, die ihre Wirksamkeit nachgewiesen haben. Als Beispiel sei die "Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT)" nach Linehan für den Borderline-Persönlichkeitsstil genannt. Medikamente können phasenweise helfen schwierige Zeiten zu überbrücken oder Therapiefähigkeit herzustellen, sollten aber langfristig nach erfolgreicher Therapie wieder abgesetzt werden.
Manische und bipolare StörungenBei dieser Störung liegt eine übermäßig gehobene Stimmung vor. Die Betroffenen sind euphorisch erregt, sehr aktiv und ruhelos, aber auch gereizt. Sie können sehr gesprächig sein und soziale Hemmungen verlieren. Sie brauchen weniger Schlaf und überschätzen sich selbst in ihren Fähigkeiten und finanziellen Möglichkeiten. Sie sind leicht ablenkbar und verfolgen verschiedene Aktivitäten, zum Teil sehr leichtsinnig. Folgende Störungen werden unterschieden:
Die Betroffenen erleben die Euphorie subjektiv als angenehm, deren Verhalten wirkt sich aber negativ auf ihre Umgebung aus. Deshalb werden die Betroffenen häufig in einer akuten manischen Phase in die Klinik gegen ihren Willen eingewiesen, um sie und die anderen Menschen zu schützen. Nach einer Phase der Euphorie folgt dann häufig eine Phase der schweren Depression, in der die Betroffenen arbeitsunfähig und völlig energielos sind. Behandlung: Die Behandlung mit Medikamenten in der akuten Phase und langfristig als Rückfallprophylaxe scheint notwendig zu sein. Psychotherapie hilft, Betroffene im Umgang mit der Störung zu unterstützen und bei der Lösung emotionaler Probleme, was sich günstig auf die Störung auswirkt. In wie weit das Lösen der emotionalen Probleme Rückfälle verhindert ist wissenschaftlich noch uneindeutig.
Süchte aller ArtBestimmte Stoffe oder bestimmte Verhaltensweise können süchtig machen. Anfangs werden von Betroffenen diese Stoffe oder diese Verhaltensweisen zur Veränderung von unangenehmen Zuständen genutzt, was kurzfristig in der Regel gut funktioniert. Nach relativ kurzer Zeit entwickelt sich jedoch eine Eigendynamik: Der Stoff muss weiter eingenommen werden, damit es den Betroffenen nicht noch schlechter geht. Der Körper gewöhnt sich an den Suchtstoff und stellt seinen Stoffwechsel darauf ein. Es entsteht eine Toleranz und es müssen deshalb immer mehr eingenommen werden, zunächst um eine positive Wirkung zu erzielen, dann um sich nicht noch schlechter zu fühlen. Die Betroffenen werden abhängig von dem Stoff oder der Verhaltensweise. Stoffe, die in der Regel süchtig machen:
Verhaltensweisen, die süchtig machen können:
Es werden der "schädliche Gebrauch" von der manifesten "Abhängigkeit" unterschieden. Beim schädlichen Gebrauch liegen klare Hinweise vor, das der Konsum oder das Verhalten für körperliche oder psychische Schäden einschließlich eingeschränkter Urteilsfähigkeit oder gestörtem Verhalten ursächlich ist oder erheblich dazu beiträgt. Eventuell entstehen negative zwischenmenschliche oder leistungsbezogene Folgen. An den folgenden Kriterien kann erkannt werden, ob bereits eine Abhängigkeit vorliegt:
Eine Abhängigkeit liegt vor, wenn mindestens drei der oben genannten Kriterien zutreffen. Behandlung: Eine störungsspezifische Psychotherapie ist bei entsprechender Einsicht und Mitarbeit der Betroffenen wirksam. Bei stoffgebundenen Süchten muss in der Regel zunächst ein Entzug durchgeführt werden, was häufig stationär durchgeführt wird. Danach folgt dann eine stationäre Entwöhnungsbehandlung über mindestens drei Monate. Daran sollte dann eine ambulante Therapie angeschlossen werden, die den Betroffenen hilft, im Alltag abstinent zu bleiben und die zugrunde liegenden emotionalen Probleme zu lösen. Häufig haben die Betroffenen das Ziel, das Suchtmittel wieder angemessen zu konsumieren, was aber selten gelingt. Mit einer lebenslangen Abstinenz sind die Betroffenen auf der sicheren Seite. Der langfristige Besuch einer Selbsthilfegruppe, zum Beispiel aus dem 12-Schritte-Programm (Anonyme Alkoholiker AA oder Narcotics Anonymus NA , sind empfehlenswert. Ebenfalls müssen in der Regel die Angehörigen mit in den Veränderungsprozess einbezogen werden.
Psychotische StörungenBei einer akuten psychotischen Episode erlebt der Betroffene Dinge, die andere Menschen nicht erleben und auch nicht nachvollziehen können. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch einmal im Leben eine psychotische Episode erlebt liegt bei 0,6 bis 1 %. Innerhalb eines Jahres haben 0,5 bis 1 % der Bevölkerung eine psychotische Störung. Psychotische Störungen können einmal im Leben oder wiederholt auftreten. In den Phasen dazwischen kann den Betroffenen einigermaßen gut gehen, es kommt aber häufig zu einer depressionsartigen Symptomatik. Diese Symptomatik geht der ersten psychotischen Phase in der Regel voraus, häufig über Monate und Jahre. Psychotische Episoden können aber auch nach einem traumatischen Ereignis ohne vorherige Symptome auftreten. Akute psychotische Symptome sind:
In der akuten Phase muss eine medikamentöse Behandlung mit Neuroleptika eingeleitet werden. Erst wenn die akute Phase vorbei ist, kommen sehr häufig die depressionsartigen Symptome wieder:
Diese Symptome werden häufig auch durch die Medikamente verursacht und/oder verstärkt. Trotzdem ist häufig eine langfristige Behandlung mit Medikamenten notwendig. Behandlung: Neben der medikamentösen Behandlung gibt es mittlerweile diverse Behandlungsansätze, die das Störungsbild bei entsprechender Mitarbeit der Betroffenen günstig beeinflussen. Häufig wird die Familie miteinbezogen, was sich als sehr günstig herausgestellt hat. Eine psychotherapeutische Behandlung sollte frühzeitig einsetzen, um Rückfällen vorzubauen und einer Chronifizierung entgegenzuwirken. Die Behandlung erfolgt auf verschiedenen Ebenen und in Kooperation mit verschiedenen Institutionen (Psychotherapie, Klinik und Klinikambulanz, niedergelassener Psychiater, psychosoziale Beratungs- und Betreuungsstellen, ggf. betreutes Wohnen und andere Einrichtungen).
|
|||||||||||||